Das unsichtbare Gute

Was nach negativen Schlagzeilen oft unbemerkt im Hintergrund passiert:

Was wir oft nicht mitbekommen, ist das Gute, das gerade wegen einer negativen Schlagzeile ins Rollen kommt und eine ungute Situation zum Guten verändern kann.

Wir hören oder sehen nur eine unschöne Szene oder einen unfairen Dialog und regen uns auf. Zu Recht oder weil wir getriggert werden – es gibt im alltäglichen Miteinander ja öfters mal einen Grund, warum wir uns persönlich angesprochen fühlen können.

Wir haben jedoch nach der ersten gefühlten, inneren Re-Aktion die Wahl, wie wir bewusst schlussendlich damit umgehen wollen. Sind wir wütend genug, heißt das für einige, böse Beschwerde-Emails schreiben um den eigenen Unmut an einen bestimmten Adressaten weiter zu geben. Manche sehen sich veranlasst zu fluchen oder direkt bestimmte Leute zu verfluchen, soviel Zorn wütet in ihnen. Im Großen und Ganzen geben jene, die sich triggern lassen, dem negativen Gefühl erstmal viel Raum und Energie. Wem ist also gedient damit? Die Antwort fällt eindeutig aus: Nur der wütenden Person selbst, die gerade das eigene Ego oder die ungestüme Emotion auslebt. Dienlich ist das jedoch nur für einen kurzen Moment, denn derlei Gefühle und Emotionen sind nicht wirklich heilsam und wohltuend…für niemanden. Und ich nehme mich dabei gar nicht aus, denn auch ich gebe gerne mal meinen Senf dazu – wenn ich von Ungerechtigkeiten erfahre. Jedoch versuche ich dabei, nicht der Wut die Regie zu überlassen, sondern stelle meine Absicht zu mehr Bewusstheit in den Vordergrund.

Wenn also schon eine Beschwerde geäußert wird, dann sollte diese dennoch ein gewisses Niveau beinhalten und im Grundton freundlich hinweisend formuliert werden. Damit könnte der Adressat vielleicht wirklich noch erreicht werden, alles andere würde vermutlich nicht zur Lösung beitragen oder noch mehr Ärger und Negativität erzeugen.

Mir fallen gerade zwei aktuelle Beispiele ein, um klarer aufzuzeigen worauf ich hinaus möchte.

Prof. Dr. Ulrike Guèrot hatte kürzlich einen ziemlich herausfordernden Auftritt bei der Talkshow von Markus Lanz.

Man hätte meinen können, es war ein Kreuzverhör und sie sollte den Raubtieren zum Fraß vorgeworfen werden…. Auch mir fiel das unfaire Verhalten des Moderators sowie der Gäste auf und ich überlegte kurz, ob und wenn, wem ich ein feedback schreibe.
Ich entschied mich für eine Email an Frau Guèrot um ihr für ihren Mut und die Sachlichkeit, trotz der offensichtlichen Anfeindungen, zu danken. Und ich machte mir so meine Gedanken, ob sie einfach Pech hatte und das arme, neu ausgewählte “Opfer” der Massenmedien war oder wozu es eventuell dienlich war, sich so bloßstellen lassen zu müssen in aller Öffentlichkeit.
Ich schrieb ihr in meiner Email meinen Impuls zum Schluss: “Wir können nur hoffen, dass die Menschen diesen Wahnsinn immer mehr und schneller durchschauen – vielleicht hatte dieser Diskurs wirklich auch einen Beitrag dazu geleistet.”

Nach der Ausstrahlung am 02.06.22, gingen dann tatsächlich etliche Nachrichten und Emails bei ihr ein. Es waren Zuseher, denen ebenfalls das unfaire Verhalten ihr Gegenüber aufgefallen war. Sie wurde von alternativen Medien kurz darauf eingeladen, ihre Meinung wenigstens dort nochmals öffentlich teilen zu können. Bei INFRAROT sagte sie am 04.06.22 im Interview, dass sie mit einem shitstorm gerechnet hatte, und positiv überrascht war über die Reaktionen vieler Zuseher. Denn einige hätten gerne gehört, was sie denn zu sagen gehabt hätte – obwohl sie wussten, dass es nicht ihre eigene Meinung gewesen wäre. Aber dennoch war es in ihren Augen nicht richtig, dass man sie nicht zu Wort hat kommen lassen bei dieser Diskussion. Durch die Anteilnahme, die unterstützenden Worte und das Verständnis vieler Menschen konnte sie sich gut und schnell erholen von diesem Auftritt.

Es tut gut zu wissen, dass sich ZDF-Gucker wieder für Meinungsvielfalt öffnen und sich auch entsprechend laut äußern.


Ein zweites Beispiel handelt von einem schwerbehinderten Jugendlichen im Rollstuhl. Er wurde die Tage zusammen mit seinem Betreuer und Bruder aus einer Buslinie geschmissen. Der Grund wäre eine Diskussion wegen der fehlenden Maske im Bus gewesen, darum habe der Busfahrer auch gleich die Polizei gerufen. Die Fahrgäste versuchten sich für die Weiterfahrt einzusetzen und boten den beiden eine Maske an – aber das wurde nicht erlaubt vom Busfahrer. Beide mussten also nach Aufforderung der Polizei den Bus verlassen. Einige Fahrgäste stiegen daraufhin geschlossen mit aus und waren empört über das Verhalten der Polizei und des Busfahrers. Als wäre das alles nicht beschämend genug, gab es nun auch noch eine Anzeige wegen Beleidigung und Bedrohung des Busfahrers – obwohl die Vorwürfe gar nicht zutreffend seien, meinte der Beklagte. Und was hat man sich überhaupt dabei gedacht, als Zeuge seinen Bruder im Rollstuhl vorzuladen? Er ist nicht in der Lage zu sprechen, da er geistig und körperlich schwer behindert ist. Alles in allem wieder ein Trigger und ein Grund, sich als Zeuge und Mitmensch seine eigene Meinung darüber zu bilden.

Jedenfalls bekam der beklagte Bruder heute die Möglichkeit, den Hergang in der Öffentlichkeit (bei alternativen Medien) zu schildern und auf diese unfaire Behandlung aufmerksam zu machen. Aber zum Ende hin, berichtete er, was diese unschöne Szene doch noch an positiven Reaktionen verursachte. Denn er erzählte, dass er an den Folgetagen nach dem Vorfall von anderen Busfahrern persönliche Worte erhielt, die sich für das Verhalten des Kollegen entschuldigten. Auch bekam er etliche Einladungen von anderen Busunternehmern, die von der Sache erfuhren und ihn und seinen behinderten Bruder gerne zu einer Busfahrt mitnehmen würden. Denn der einzige Zeitvertreib der dem Behinderten seit Jahren Freude bereitet, ist das stundenlange Busfahren. Und so stieg die Mutter täglich mit ihrem Sohn in einen Linienbus und nach ihrem Tod übernahm das nun sein Bruder. Was für eine liebevolle Familie das doch ist! Das berührte dann doch viele Zuseher mitsamt dem Moderator.

Wie schön zu erleben, dass es noch Menschlichkeit und Herzlichkeit gibt – die immer stärker wiegt als jedwede Negativität.

Und einmal mehr bin ich zutiefst dankbar, für alle alternativen Kanäle mit vielen Herzensmenschen und engagierten Leuten!

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